Im Sommer 2019 waren wir zwei Wochen mit dem Mietwagen in Südnorwegen unterwegs, von Oslo über Røros, Trondheim, Ålesund und Bergen bis nach Stavanger. Am Ende waren es über 3.000 Kilometer. Hier sind unsere Tipps von dieser Reise. Die Preise sind von damals, und manche Regeln können sich inzwischen geändert haben.
1. Warum wir mit dem Auto gefahren sind
Eine Busreise wollten wir nicht, weil man da kaum selbst bestimmen kann, wie der Tag aussieht. Bei einer Kreuzfahrt ist es genauso, und die riesigen Schiffe in den Fjorden mussten wir nicht noch unterstützen. Mit den Hurtigruten wären wir weder nach Oslo noch ins Landesinnere gekommen, und für Wanderungen bleibt da auch wenig Zeit.
Mit dem Auto fährst du los, wann du willst, hältst an, wo es dir gefällt, und bleibst, so lange du magst. Und die Straßen selbst zu fahren, ist in Norwegen ein Erlebnis.
Gebucht haben wir die Individualreise „Große Südnorwegenrundreise“ von DER Tour über unser Reisebüro. Ein paar Sachen haben wir geändert: eine Nacht in Oslo am Anfang statt in Trysil, und statt Stiklestad eine zweite Nacht in Stavanger, damit wir Zeit für den Preikestolen hatten. Das hat ohne Probleme geklappt.
Für die Planung hatten wir, wie bei fast allen unseren Rundreisen, unseren Baedeker-Reiseführer* dabei.
2. Die Strecken dauern länger, als du denkst
400 Kilometer von Oslo nach Røros klingen nach einem halben Tag. In Norwegen ziehen die sich aber. Außerorts darfst du meistens 80 fahren, nur selten 90 oder 100, und 110 durften wir genau einmal. In Orten gilt 50, oft aber auch 40 oder 30, und dort bremsen dich zusätzlich hohe Bodenschwellen aus, die Fartsdemper.
Schon am zweiten Tag haben wir gemerkt, dass wir uns zu viel vorgenommen hatten. Die Olympiahalle in Hamar haben wir deshalb gestrichen, und auf den Dalsnibba sind wir auch nicht mehr hoch. Plan lieber weniger pro Tag ein und lass dir Luft für spontane Stopps. Ein paar unserer schönsten Orte haben wir nämlich nur zufällig gefunden.
Auf den langen Etappen macht ein spannendes Hörbuch die Fahrt deutlich kürzer.
3. Halt dich an die Tempolimits
Wer zu schnell fährt, zahlt in Norwegen ordentlich. Schon ein paar km/h zu viel kosten mehrere hundert Kronen. Die festen Blitzer stehen meistens vor, in oder hinter Tunneln und sind vorher mit einem Schild angekündigt. Einmal hat auch die Polizei am Straßenrand geblitzt. Die Norweger selbst wissen anscheinend ganz genau, wo sie Gas geben können. Wir sind oft überholt worden, gedrängelt hat aber kaum jemand.
4. Fahr immer mit Licht
In Norwegen musst du auch tagsüber mit Licht fahren. Ob das Tagfahrlicht reicht, konnten wir damals nicht klar herausfinden. Schalt am besten einfach das Abblendlicht ein, sobald du losfährst, dann bist du auf der sicheren Seite.
Ein paar Verkehrsschilder kennst du aus Deutschland nicht. Eine gute Übersicht dazu gibt es auf suednorwegen.org.
5. Autofahren ist teuer, und bezahlt wird mit Karte
Zum Mietwagen kommen Benzin, das trotz eigenem Öl richtig teuer ist, Maut für Straßen, Tunnel und Brücken, die Fähren und vor allem das Parken. In Oslo haben wir für einen halben Tag und eine Nacht im Parkhaus 420 Kronen bezahlt, damals rund 42 Euro. Das war ein mittelgroßer Schock. In Stavanger haben wir für zwei Tage auch 420 Kronen gezahlt, für Norwegen ist das schon günstig. Am Buarbreen-Gletscher kostete der Parkplatz 150 Kronen pro Auto, und die Schranke ging dort nur mit Kreditkarte auf.
Die Maut lief bei uns über den AutoPASS im Mietwagen und ging direkt auf die Kreditkarte.
Bezahlt wird in Norwegen fast nur mit Karte, an vielen Stellen geht Bargeld gar nicht mehr. Pack am besten mehrere Karten ein und schau vorher, ob das Limit für den ganzen Urlaub reicht.
6. Sei beim Mietwagen skeptisch
Am Schalter in Oslo wollte man uns erst einen Automatikwagen gegen Aufpreis verkaufen. Zwei Minuten später hieß es dann, es gebe eigentlich fast nur noch Automatik und wir könnten ihn ohne Aufpreis haben. Da kamen wir uns schon ein bisschen veräppelt vor. Am Ende haben wir doch das Auto bekommen, das wir reserviert hatten. Irgendwas zusätzlich verkaufen wollte uns bisher wirklich jede Autovermietung.
Unser Auto stand so eng und so dunkel geparkt, dass wir die Vorschäden kaum anschauen konnten. Da waren wir froh, dass wir eine Versicherung ohne Selbstbeteiligung hatten.
7. Die Fähren sparen dir viele Kilometer
Fähren gehören in Norwegen zum Straßennetz dazu. Oft bist du damit viel schneller auf der anderen Seite eines Fjords, als wenn du außen herumfährst. Unsere Überfahrten haben zwischen 15 und 45 Minuten gedauert. Fast jede Fähre hat Toiletten und einen kleinen Kiosk mit Getränken, Snacks und Kaffee.
2019 sind die Kontrolleure noch in der Warteschlange oder auf der Fähre von Auto zu Auto gegangen und haben kassiert. Heute liest auf den meisten Fähren eine Kamera dein Kennzeichen, wenn du auffährst. Beim Mietwagen mit AutoPASS rechnet das meistens die Autovermietung hinterher mit dir ab.
8. Rechne mit engen Straßen und vielen Tunneln
Viele Straßen sind eng und schlängeln sich in Haarnadelkurven den Berg hoch. Oft ist nur Platz für ein Auto, und du wartest an einer Ausweichstelle, bis der Gegenverkehr vorbei ist. Dazu kommen jede Menge Tunnel. Manche sind hell und modern wie bei uns, andere sehen aus, als hätte sie jemand mit der Spitzhacke in den Fels gehauen. Der Lærdalstunnel ist knapp 25 Kilometer lang. Und manche Brücken über die Fjorde gehen so steil nach oben, dass du ganz oben richtig über dem Wasser hängst.
Welche Straßen uns am besten gefallen haben, erzählen wir im Artikel über die Atlantikstraße, den Trollstigen, die Adlerstraße und den Stegastein.
9. Nutz die langen Abende
Im Sommer ist es auch im Süden bis spät abends hell. Wir sind oft erst am frühen Abend in einer Stadt angekommen und dann noch losgelaufen. Museen und Kirchen haben allerdings nur zu den normalen Zeiten offen, dann siehst du sie eben nur von außen.
10. Was uns in den Hotels aufgefallen ist
Fast überall hatte jeder seine eigene Bettdecke, also kein nächtlicher Kampf um die Decke. Die Betten waren eher weich. In allen Zimmern lief eine Lüftung, die man nicht ausschalten konnte, ein leises Brummen war also immer da. Wenn du die Wahl hast, nimm ein Zimmer zum Innenhof. Die waren bei uns viel ruhiger als die zur Straße.
Frag beim Buchen am besten nach, ob das Hotel eigene Parkplätze hat. Bei einigen unserer Hotels gab es keine, und wo es welche gab, waren sie am Nachmittag oft schon voll.
Und pack Wanderschuhe ein. Am Buarbreen-Gletscher hätten wir mit Turnschuhen nasse Füße bekommen.
Unser Reiseführer
Für unsere Rundreisen nutzen wir fast immer Baedeker, auch in Norwegen war er dabei.
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